Mitreißende Klänge aus Afrika begeistern Zuhörer in Wernigerode

Im Nachgang zum Mitteldeutschen Jugendtag gab am Montagabend ein südafrikanischer Jugendchor in der Kirche Wernigerode ein Konzert.

Da stand er vorn, der Dirigent aus Kapstadt, breitete die Arme aus, und – ein Chorklang breitete sich aus, der die Zuhörer in der vollbesetzten Kirche Wernigerode fast von den Stühlen wehte und zu enthusiastischen Beifallsstürmen hinriss. Und das, obwohl den Harzer doch emotional so schnell nun wirklich nichts umhaut!

Doch der Reihe nach: Um kurz vor halb fünf am Nachmittag hielt die Harzquerbahn am Westerntorbahnhof und heraus kletterten 49 etwas müde aussehende Geschwister aus Kapstadt. Einige Glaubensgeschwister empfingen sie und wollten sie zur Kirche führen, wo schon ein leckeres Buffet wartete. Nein, man würde sehr gern noch einen kleinen Rundgang in die Altstadt machen und einige der Sänger müssten dringend noch ein paar Sachen besorgen... Also gut, schnelle Planänderung! Wir zeigten unseren Gästen das älteste Haus der Stadt, machten Halt am Rathaus, und natürlich gab es das obligatorische Gruppenfoto auf der Rathaustreppe. Und während die letzten Kameras klickten, erklangen die ersten Töne unserer Gäste. Ganz spontan sangen sie eines ihrer Lieder, und in Sekunden hatte sich eine Menschentraube um die Sänger gebildet. Also sangen sie noch ein Lied. Und dann noch eines. Moment, wollten sie nicht noch Besorgungen erledigen? Und unser Buffet...? Ja, ja, sagte eine der begleitenden Schwestern, Deutschland hat die Uhr und Afrika die Zeit! Irgendwann mussten wir eingreifen, auf das abendliche Konzert verweisen und die Gruppe teilen. Und während einige Sänger das schiefe Haus, Sylvestriekirche und Westerntor bewunderten, quälten sich die anderen durch verschiedene Technikläden, um einen Shop zu finden, der Simkarten für ihre Handys verkauft. Nach 3 vergeblichen Anläufen stürmte eine Gruppe von 18 Jugendlichen in den T-Mobile-Shop in der Breiten Straße, der nun für längere Zeit keinen weiteren Zutritt ermöglichte. Und dann traf deutsche Bürokratie auf afrikanische Wünsche samt Neugier auf moderne Angebote. So etwas dauert. Wir erinnern uns: Deutschland hat die Uhr, Afrika die Zeit. Kurz vor Ladenschluss waren dann alle 18 mit den gewünschten Karten versorgt, und es folgten einige Dankesworte an die geduldig wartenden Wernigeröder, die nun endlich ihre Geschäfte abwickeln konnten.

In der Kirche erwartete die Gäste ein wunderbares, reichhaltiges, vielseitiges, wohlschmeckendes, fein angerichtetes, leckeres Buffet – große Klasse!! So manches erfuhr man aus den Gesprächen mit den Geschwistern aus Kapstadt, etwa

  • dass es nirgendwo in Kapstadt so alte Bauwerke wie in unserer Stadt zu sehen gibt,
  • dass ihnen die Automarken, die hier unterwegs sind, alle bekannt vorkommen, weil diese bei ihnen auch alle gefahren werden,
  • dass kaum einer der Sänger den anderen vor dieser Reise kannte, und dass sie aus 45 verschiedenen Gemeinden kommen,
  • dass alle Sänger für diese Reise zwischen 21 und 31 Jahre alt sein mussten,
  • dass sie von 600 Angemeldeten in einer Live-Fernsehsendung ausgelost wurden,
  • dass einige der Sänger weit entfernt von Kapstadt wohnen – einer musste 800 km zurücklegen, um erst einmal Kapstadt zu erreichen,
  • dass sie vor der Abreise nach Deutschland eine Woche Zeit hatten, einen Chor zu bilden und das Konzertprogramm zu erarbeiten.

Und dann – neu gestärkt – zogen sich alle Sänger fröhliche gelbe T-Shirts über. Doch sie hätten auch in Grau singen können, denn mit dem ersten Ton, aus voller Seele in unseren ehrwürdigen Bau geschmettert, hatte der Chor die Herzen der Zuhörer gewonnen. Was folgte, war ein bunter Strauß von Liedern, geistlichen Inhalts, solistisch vorgetragen, afrikanische Volkslieder... Und es war alles dabei: Freude und Bewegung, aber auch ganz leise Töne und der Moment, wo man die viel zitierte Stecknadel hätte zu Boden fallen hören können. Belohnt wurden die Sänger mit lang anhaltendem Beifall und einem kleinen Souvenir mit Stein, Schokolade und Harzquerbahnkugelschreiber, damit ihnen Ausflug und Gemeinde in schöner Erinnerung bleiben. Viele Umarmungen am Ende des Abends zeigten, wie einfach es im Himmel bestimmt einmal sein wird...

K.P. / G.J.