Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über

Am Sonntag, dem 3. Februar 2019, besuchte Apostel Jens Korbien die Gemeinde Wernigerode und diente mit dem Bibelwort aus Lukas 6, Vers 45: „Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens; und ein böser bringt Böses hervor aus dem bösen. Denn wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.“

In seinem Dienen führte der Apostel zunächst aus, dass die im Bibelwort enthaltene Feststellung auch unserer Alltagserfahrung entspreche: Der Mensch spricht davon, was ihn erfüllt. Bezogen auf den ersten Teil des Wortes mahnte der Apostel jedoch zur Vorsicht, Menschen pauschal als „böse“ einzustufen. Der Schöpfungsbericht beinhalte den Befund Gottes in Anbetracht des Geschaffenen mit den Worten: „Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“ (1. Mose 1,31)

Dazu zähle auch der Mensch als Krone der Schöpfung, als sein Ebenbild. Mit dem folgenden Sündenfall jedoch stehe der Mensch bis heute unter dem Einfluss des Bösen. Und doch werde dieser vom Bösen beherrschte Mensch von Gott geliebt, so führte der Apostel fort. Auch für ihn sei Jesus Christus auf diese Erde gekommen und am Kreuz gestorben. Darum mahnte der Apostel davor, Menschen, welche vom Bösen beeinflusst werden, als böse Menschen zu verachten. Vor allem nicht dann, wenn wir erkennen müssen, ebenfalls diesem Einfluss zu unterliegen und auf Vergebung und Gnade angewiesen zu sein. In der Sehensweise, den Nächsten als ein von Gott geschaffenes Ebenbild zu erkennen, gelinge es, ihm zugewandt zu sein und mit Achtung zu begegnen.

Desweiteren verwies der Apostel auf die besondere Gabe des Sprechens, welche einerseits ein Beispiel für die Ebenbildlichkeit des Menschen zu Gott sei und andererseits jedem die Möglichkeit eröffne, sich mit Gott und den Mitmenschen auszutauschen sowie Empfindungen und Gefühle miteinander zu teilen. Für diese Gabe sollten wir Gott dankbar sein und diesen Dank auch im Loben Gottes zum Ausdruck geben. Das, was und wie wir sprechen, gibt viel über unser Innerstes preis. Es verrät mitunter nicht nur etwas über unsere Herkunft durch einen bestimmten Dialekt, sondern bringt hervor, was im Menschen liegt. Der Apostel rief jedoch dazu auf, die im Bibelwort zum Ausdruck kommende Feststellung nicht auf den Nachbarn, die Freunde oder Kollegen anzuwenden und sie anhand ihrer Rede zu beurteilen. Vielmehr mögen wir uns persönlich fragen, was „der gute Schatz im Herzen“ sei und uns prüfen, wie und worüber wir im Alltag sprechen. Der Apostel verwies dabei auf die Gabe des Heiligen Geistes, die in unsere Herzen gelegt sei, und auf die Früchte dieses Geistes, welche sind Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte und Treue (Gal. 5,22). Durch die Gabe des Heiligen Geistes sei auch die Gottesfurcht in unser Herz gelegt. Wird die damit verbundene Erkenntnis der Größe Gottes dem Gläubigen bewusst, äußere sie sich in seinem Sprechen im Danken an Gott. Sein Geist ließe uns auch Jesus Christus als den Weg und die Hoffnung zum ewigen Leben erkennen und diese Zuversicht möge in unserem Sprechen ebenfalls zum Ausdruck kommen. Dazu zähle auch die Hoffnung auf die baldige Wiederkunft Christi.

Schön sei es, so beschloss der Apostel seine Predigt, wenn unser Umfeld diesen Schatz in unserem Herzen durch unser wahrhaftiges Bekennen feststellen kann.

Im Anschluss wurde der Priester Detlef von Hoff zum letzten Mal an den Altar zum Mitdienen gerufen. Bei der folgenden Inruhesetzung dankte ihm der Apostel für seine jahrzehntelange ehrenamtliche Tätigkeit in den Gemeinden Dessau, Ilsenburg und Wernigerode und wünschte ihm und seiner Frau einen gesegneten Ruhestand.